gang und gäbe de · X
Pronunciation
- [ˌɡaŋ ʊnt ˈɡɛːbə]
- audio
- [ˌɡaŋ ʊnt ˈɡeːbə]
Etymology
Die Wörter gang (nebst seiner älteren noch landschaftlich gebrauchten Formen gäng, gänge) und gäbe sind Verbaladjektive zu gehen und geben. Der Ausdruck ist bereits im Mittelhochdeutschen in der Form genge und gæbe ^(→ gmh) bezeugt. Mittelhochdeutsches genge ^(→ gmh) ‚unter den Leuten umlaufend, verbreitet, gewöhnlich, leicht gehend, rüstig‘ geht auf das seit um 1000 bezeugte althochdeutsche gengi ^(→ goh) ‚gangbar, gebräuchlich, gewöhnlich, verbreitet‘, eigentlich ‚fähig zu gehen‘ zurück. Mittelhochdeutsches gǣbe ^(→ gmh) wurde im Sinne von ‚annehmbar, willkommen, lieb, gut‘ gebraucht. Ihre ursprünglichen Bedeutungen kamen dann hauptsächlich in der Kaufmannssprache zum Tragen, wo sie auf Münzen und Waren bezogen ‚Kurs oder Wert habend‘ (eigentlich ‚was gehen, umlaufen kann‘) und ‚im Umlauf befindlich‘ (eigentlich ‚was gegeben werden kann, was sich leicht geben lässt‘) bedeuteten.
Meanings
-
(attributive, auch, rare) allgemein üblich und verbreitet
„Von den manchmal ausladend prächtigen Präludien abgesehen, sind diese Suiten aber auch sehr eindeutig Tänze, in diesen damals immer noch gang und gäben höfischen Formen von Courante, Gavotte, deutsch-robuster Allemande oder einer lieblich schwingenden Sarabande.“
Mit Leib und Seele. In: Reutlinger General-Anzeiger. 22. August 2014 .„Sie haben eine einfache Art zu sprechen, und dennoch hat sie etwas Erregendes; denn erregend ist es, von einem großen Mann einmal nicht mit gang und gäber Schwärmerei, sondern mit Ruhe und Trockenheit, einem gewissen Realism, aus der intimen Erfahrung des Alltags reden zu hören.“
Thomas Mann: Lotte in Weimar. Roman. Bermann-Fischer Verlag, Stockholm 1944, Seite 70 (Zitiert nach Internet Archive; Originalausgabe 1939) .„Jeder war sich selbst der nächste. Organisieren, also klauen, Marschpapiere und Ausweise fälschen war gang und gäbe.“
Ulla Hahn: Unscharfe Bilder. Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2003, ISBN 978-3-421-05799-0, Seite 252 .„Danach ist im Inneren Afrikas der als eine Abart der Sklaverei betrachtete Frauenkauf noch immer gang und gäbe.“
Hans Gresmann: Sklavenmärkte im Orient. In: DIE ZEIT. Nummer 37, 13. September 1956, ISSN 0044-2070, Seite 3 (Archiv-URL, abgerufen am 9. August 2020) .„Legale Diskriminierung war in allen Balkanländern gang und gäbe, und Massenvertreibungen sind die Folge aller Revolutionen im 20. Jahrhundert gewesen.“
Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Piper, München 1964 (Originaltitel: Eichmann in Jerusalem. A Report on the Banality of Evil, übersetzt von Brigitte Granzow aus dem Amerikanischen; von der Autorin durchgesehene und ergänzte deutsche Ausgabe), Seite 318 (Zitiert nach Google Books; deutschsprachige Erstveröffentlichung in Merkur, Heft 186, August 1963 unter dem Titel „Adolf Eichmann: Von der Banalität des Bösen“; englischsprachige Erstveröffentlichung in The New Yorker von Februar bis März 1963) .„Für solche Transaktionen, die an sich gang und gäbe waren, hatte sich meine Schwester Eva eine nicht ganz faire Methode ausgedacht.“
Maria Gräfin von Maltzan: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht. Erinnerungen. 13. Auflage. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 978-3-548-24536-2, Seite 20 (Erstausgabe 1986) .„Dabei war das Vulva-Schauen und Pussilüften schon bei der griechischen Göttin Demeter gang und gäbe und ist somit keine neue Erfindung.“
Reyhan Şahin: Sex. In: Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah (Herausgeber): Eure Heimat ist unser Albtraum. 9. Auflage. Ullstein fünf, Berlin 2020, ISBN 978-3-96101-036-3, Seite 158 (Originalausgabe 2019) .„Wer ſo hübſche Wendungen findet wie ‚Marginal-Pſychologie‘ (für Bourgets Art, ſeine Figuren am Rande zu interpretieren) oder ‚vorausgeſchickte Charakterinventarien‘, der ſollte ſich nicht den Eindruck durch ‚gang und gäbere Metaphern‘, ‚Phänomenismus‘ u. dgl. ſelbſt ſchädigen.“
Prof. Dr. Richard M. Meyer: Fr. Hübner: Paul Bourget als Pſycholog. In: Georg Cleinow (Herausgeber): Die Grenzboten. Zeitſchrift für Politik, Literatur und Kunſt. Nummer 1, 70. Jahrgang, 1911, Seite 491 (Zitiert nach Digitalisat der SuUB) .Diese Vorgehensweise ist doch gang und gäbe!
„Es war eine Uraufführung ohne die sonst gang und gäbe Toten und Gespenster.“
Kaiserschmarrn mit Milch. In: DER SPIEGEL. Nummer 44, 1. November 1947, ISSN 0038-7452, Seite 21 .„Wetten, daß der soeben veröffentlichte Spielplan für 1993/94 im Schiller-Theater doch noch realisiert werden wird - so zum Gähnen langweilig er auch ist? (Sieben Klassiker, und zwar auch nur wieder die gang und gäben, die ganz und gar unproblematischen, und nur ein Zeitgenosse: David Mamets ‚Oleanna‘).“
Götterdämmerung für das Subventionstheater überhaupt? In: Salzburger Nachrichten. 26. Juni 1993, ISSN 1015-1303 .Es war gang und gäbe, dass man sich am Schützenfest beteiligte.
„Und in Südamerika sowie in Japan sei der Süssstoff aus der Stevia-Pflanze sowieso bereits seit Jahrzehnten gang und gäbe.“
Claudia Wirz: Ein fremdes Kraut versüsst die Schweiz. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. März 2010, ISSN 0376-6829, Seite 9 (NZZ Archiv-URL, abgerufen am 9. August 2020) .„Der antimuslimische Rassismus eines Trump ist zwar für einen US-Präsidenten beispiellos, für andere Weltgegenden jedoch keineswegs. Ähnlich stereotype Sprüche hört man in Frankreich, wo ein älterer, aus den Kolonialzeiten der Algérie française überkommener Diskurs gegenüber muslimischen Bürgern gang und gäbe ist.“
Adam Shatz: Orientalismus gestern und heute. In: Le Monde diplomatique. 8. August 2019 (übersetzt von Niels Kadritzke aus dem Englischen), ISSN 1434-2561, Seite 6–7 (Deutsche Ausgabe, LMd Archiv-URL, taz Archiv-URL, abgerufen am 9. August 2020)
Forms
| Spelling | Features | Labels | Source |
|---|---|---|---|
| gäng und gäbe | regional, variant | lexicographic |
Coordinates
gängig · weitverbreitet · an der Tagesordnung sein · geläufig
Translations (49)
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