Hühnergott de · NOUN
Pronunciation
- audio
- [ˈhyːnɐˌɡɔt]
Etymology
Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt. Lange Zeit wurde vermutet, das Wort sei durch die von Thomas Reschke 1966 gebildete Lehnübersetzung des bereits im Originaltitel der von Jewgeni Jewtuschenko 1963 verfassten Novelle namens »Куриный бог« vorkommenden Ausdrucks ins Deutsche gelangt. Aufgrund der Novelle erlangte der Stein und dessen Bezeichnung in der DDR ab 1966 große Popularität. 1985 wurde das Wort in die 18. Neubearbeitung des Großen (DDR-)Dudens aufgenommen. Im Westen Deutschlands weitgehend unbekannt, erschien das Wort erstmals im Jahre 1999 in der 3. Auflage des zehnbändigen, nunmehr gesamtdeutschen »Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache«; ein Jahr später fand es Eingang in die 22. Auflage des »Duden, Die deutsche Rechtschreibung«. Das Wort scheint aber schon vor 1966 im Deutschen existiert zu haben: So findet sich bereits im Erscheinungsjahr des sowjetischen Originals, 1963, eine erste, von René Drommert angefertigte deutsche Übersetzung in der Zeitung »Die Zeit«. Ein Jahrzehnt zuvor ist das Wort im ersten Band des 1953 in der deutschen Übersetzung von Alexander Böltz im Verlag Rütten & Loening erschienenen Romans »Iwan III.« von Waleri Jaswizki bezeugt. Der älteste bisher bekannte Beleg findet sich jedoch in einem 1927 bei de Gruyter in deutscher Sprache erschienenen Buch von Dmitrij Zelenin zur Russischen (Ostslawischen) Volkskunde, in welchem der russische Ausdruck „Kuriny bog“ als ‚Hühnergott‘ ins Deutsche übersetzt wird. Dennoch gibt es indes bis heute keinen handfesten Beweis und belastbaren Beleg für den Gebrauch des Wortes »Hühnergott« vor 1966 im Deutschen. Aus volkskundlicher Sicht ist interessant, dass es den Ausdruck »Hühnergott« nur in der DDR gab, nicht aber westlich der Elbe, was zweifellos auf die Verbreitung der Jewtuschenko-Novelle in der Übersetzung von Reschke zurückzuführen ist. Auch wenn es das deutsche Wort vereinzelt, etwa in Nachschlagewerken oder durch persönliche Kontakte, hier und da gegeben hat, bleibt das Verdienst von Thomas Reschke bei der Aufnahme des Wortes »Hühnergott« in den deutschen Sprachgebrauch und dessen endgültige Kanonisierung im Duden deshalb unbestritten.
Meanings
-
(regional) (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs (der für gewöhnlich als Amulett, Talisman oder Maskottchen dient), bei dem es sich zumeist um eine Feuersteinknolle handelt, deren Kreideeinlagerungen herausgeschwemmt beziehungsweise herausgewittert sind
„Als sie aus dem Urlaub kamen, brachten sie Hühnergötter mit, fädelten diese auf eine Schnur und banden sie an ihr Terrassendach.“
Heidi Dahlsen: Gefühlslooping. 1. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8423-3776-6, Seite 55 (Zitiert nach Google Books) .„Ein Hühnergott – das ist ein Meeressteinchen mit einem kleinen Loch. Man sagt, die Krimtataren hätten geglaubt, daß ein solches Steinchen, mit einem Faden an die Hühnerstange gehängt, das Federvieh zu verbesserter Legetätigkeit ansporne. Daher auch der Name Hühnergott. Später kam der Glaube hinzu, ein Hühnergott bringe auch den Menschen Glück. Mir scheint, ein bißchen glaubt jeder an solche Glücksbringer: die einen mit kindlich-vertrauensseliger Offenheit, die anderen heimlich, mit mürrischer Verbissenheit. Ich glaube heimlich daran. Immer wenn ich am Meer war, wünschte ich mir sehr, einen Hühnergott zu finden, aber in diesem Sommer ganz besonders.“
Jewgeni Jewtuschenko: Der Hühnergott. Zwei Liebesgeschichten. 1. Auflage. Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1966 (Originaltitel: Четвертая Мещанская. Куриный бог, übersetzt von Thomas Reschke), Seite 31 .„Während die einen am Strand nach Bernstein, Hühnergöttern oder Donnerkeilen suchen, ernten andere Schilf, um damit Dächer zu decken.“
Christine Berger: Falk-spirallo-Reiseführer. Rügen. 1. Auflage. Falk, Ostfildern 2006, ISBN 978-3-8279-0192-7, Seite 10 (Zitiert nach Google Books) .„Besonders gesucht sind natürlich Fehmarns ‚Spezialitäten‘, Donnerkeile und Hühnergötter. […]Hühnergötter, durchlöcherte Feuersteine, hängte man einst an Stalltüren, um das Federvieh vor den Füchsen zu schützen.“
Franz Lerchenmüller: Ostsee: Ist das ein Hühnergott? An der ganzen Ostsee gibt es besonders schöne Steine zu bestaunen. Auf Fehmarn bekommt man sie erklärt. In: Zeit Online. Nummer 31, 23. Juli 2009, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 7. November 2012) .
Forms
| Spelling | Features | Labels | Source |
|---|---|---|---|
| Hühnergöttern | Case=Dat, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic | |
| Hühnergott | Case=Acc, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Hühnergott | Case=Dat, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Hühnergott | Case=Nom, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Hühnergotte | Case=Dat, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Hühnergottes | Case=Gen, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Hühnergotts | Case=Gen, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Hühnergötter | Case=Gen, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic | |
| Hühnergötter | Case=Acc, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic | |
| Hühnergötter | Case=Nom, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic |
Antonyms
Coordinates
Trutenstein · Alpfuß · Truttelstein · Drudenstein · Krottenstein · Schratenstein · Trudenstein · Hascherlit
Hypernyms
Hyponyms
Paramoudra · Sassnitzer Blumentopf
Translations (11)
sv hönsgud (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · sco adderstane (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · en witch stone witchstone ) (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · be курыны бог (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · uk курячий бог (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · gd gloine nan Druidh (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · en snake’s egg (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · kw milpreve (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · cy glain neidyr (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · ru куриный бог (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs) · en adder stone adderstone ), snake stone snakestone ); hag stone hagstone ), serpent’s egg (regional: (an der Ostseeküste vorkommender) Stein mit Löchern natürlichen Ursprungs)