Volksetymologie de · NOUN
Pronunciation
- [ˈfɔlksʔetymoloˌɡiː]
- audio
Etymology
strukturell: Determinativkompositum aus Volk, Fugenelement -s und Etymologie. etymologisch: Der Begriff geht auf Ernst Förstemann (1852) zurück.
Meanings
-
semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks (Remotivation/Remotivierung), der, durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft (Etymologie), zumeist durch lautliche Ähnlichkeit bedingt ist
„Solche Erscheinungen nennt man meist Volksetymologie, eine neutralere Bezeichnung ist Sekundärmotivation.“
Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742 , Seite ⅩⅩⅫ. Fett gedruckt: Volksetymologie und Sekundärmotivation.„Maulwurf“ ist ein Beispiel für eine Volksetymologie: das Wort hieß mittelhochdeutsch „moltwerf“ ‚Erdwerfer‘; „molt“ wurde, nachdem es unverständlich geworden war, (volksetymologisch) zu „Maul“ umgedeutet.
„Daß auch beim Phänomen der Bezeichnungsübertragung die schöpferische Kraft der stets um Durchsichtigkeit von Wörtern bemühten Volksetymologie wirksam ist, möchte ich an der Bezeichnung ‚Landauer‘ erklären.“
Christoph Gutknecht: Lauter böhmische Dörfer. Wie die Wörter zu ihrer Bedeutung kamen. C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39206-7, Seite 64 . Kursiv gedruckt: Landauer.Die Erklärung, dass das Wort Zigeuner von „ziehender Gauner“ komme, ist eine späte Volksetymologie, die erst im 19./20. Jahrhundert auftauchte und nur auf oberflächlicher Lautähnlichkeit beruht, was historisch nicht belegt ist.
„Das Gebiet der eigentlichen ‚Kindesetymologie‘ wird durch die unbewussten Umwandlungen gebildet, die in überraschender Weise die Analogien zur Volksetymologie darstellen.“
Clara und William Stern: Die Kindersprache. Eine psychologische und sprachtheoretische Untersuchung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1975, ISBN 3-534-07203-0, Seite 419 (Unveränderter Nachdruck der vierten, neubearbeiteten Auflage Leipzig 1928) .„Hier handelt es sich bis auf epes jedoch ausschließlich um Volksetymologien, die auf Grund von Wortähnlichkeiten auf sprachliche Verwandtschaft schließen.“
Peter Honnen: Jiddisch in rheinischen Dialekten. In: Monika Grübel, Peter Honnen (Herausgeber): Jiddisch im Rheinland. Klartext, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0886-4, Seite 123-188, Zitat Seite 136. . Kursiv gedruckt: epes.Die Volksetymologie ist ein Verfahren, Wörter, die ganz oder teilweise unverständlich geworden sind, wieder durchschaubar zu machen, wie das bei der Umdeutung von „molt“ zu „Maul“ geschehen ist.
Forms
| Spelling | Features | Labels | Source |
|---|---|---|---|
| Volksetymologie | Case=Acc, Gender=Fem, Number=Sing | lexicographic | |
| Volksetymologie | Case=Gen, Gender=Fem, Number=Sing | lexicographic | |
| Volksetymologie | Case=Nom, Gender=Fem, Number=Sing | lexicographic | |
| Volksetymologie | Case=Dat, Gender=Fem, Number=Sing | lexicographic | |
| Volksetymologien | Case=Dat, Gender=Fem, Number=Plur | lexicographic | |
| Volksetymologien | Case=Nom, Gender=Fem, Number=Plur | lexicographic | |
| Volksetymologien | Case=Acc, Gender=Fem, Number=Plur | lexicographic | |
| Volksetymologien | Case=Gen, Gender=Fem, Number=Plur | lexicographic |
Antonyms
Kinderetymologie · Kindesetymologie
Deriveds
Hypernyms
Sprachwissenschaft · Historiolinguistik · Linguistik · Etymologie
Synonyms
Remotivierung · Remotivation · Pseudoetymologie · Sekundärmotivation · Paretymologie · synchrone etymologische Kompetenz
Translations (12)
pt etimologia popular (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · pt paretimologia (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · en folk etymology (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · en pseudoetymology (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · en popular etymology (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · pt falsa etimologia (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · sv folketymologi (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · fr étymologie populaire (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · nl volksetymologie (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · pt pseudoetimologia (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · it pseudoetimologia (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft) · it paretimologia (fachsprachlich (Linguistik): semantische Umdeutung eines entlehnten oder veralteten Ausdrucks durch Unkenntnis seiner etymologischen Herkunft)