Abelmoschus de · NOUN
Pronunciation
- audio
- [ˈaːbl̩ˌmɔʃʊs]
- [ˌaːbl̩ˈmɔʃʊs]
Etymology
Dem deutschen Wort liegt höchstwahrscheinlich der vulgärarabische Begriff حَبّ أَلْمِسْك (DMG: ḥabb al-misk)^(→ar) ‚Moschus-Körner, Samen des Bisamstrauchs (Abelmoschus moschatus)‘ zugrunde. Der Begriff ist eine für das Vulgärarabische typische Verbindung aus einem Substantiv im Status constructus (حَبّ (DMG: ḥabb)^(→ar) ‚Kollektivum: (Samen-)Körner, Samen; Getreidekörner; Beeren; Früchte‘) und einem weiteren Substantiv (مِسْك (DMG: misk)^(→ar) ‚Moschus‘), die die Funktion eines Kompositums (Determinativkompositums) erfüllt. Die Anzahl der Bildungen botanischer Bezeichnungen im Arabischen, so auch im Hispanoarabischen, die mit den Konstituenten حَبّ (DMG: ḥabb)^(→ar) und حَبَّة (DMG: ḥabba)^(→ar) ‚Nomen unitatis: (Getreide-)Korn; Same; Beere; Frucht‘ gebildet wurden, ist beträchtlich. Die Entlehnung arabischer botanischer Bezeichnungen dieses Typs in die mittelalterlichen iberoromanischen Sprachen und ins Mittellateinische erfolgte einerseits in den diversen Übersetzerschulen im Bereich der ganzen Iberoromania, andererseits durch das Jahrhunderte währende Zusammenleben von Mauren und Romanen. Im spezifischen Fall ist es jedoch aus Mangel an entsprechenden Belegen bis heute ungeklärt, wann genau und in welche romanische Sprache der arabische Begriff anfänglich gelangte. Die modernen iberoromanischen Formen sind erst spät belegt: portugiesisch abelmosco ^(→ pt) (1844), spanisch abelmosco ^(→ es) (1859), katalanisch abelmosc ^(→ ca) (1905). Die Formen basieren auf älterem neulateinisch abelmosch ^(→ la) (1623), auch in der Form belmuscus ^(→ la) (1650) bezeugt, dessen heutige Form jedoch neulateinisch abelmoschus ^(→ la) lautet. Es scheint so, dass das Samenkorn und seine Bezeichnung den abendländischen Gelehrten durch die Schriften des Arztes Vicence Onorio Belli (Honorius Bellus) bekannt wurden. Dieser war auf Kreta ansässig, erhielt regelmäßig Heilpflanzen und -kräuter aus Ägypten, kannte nachweislich ihre einheimischen Bezeichnungen und beherrschte wahrscheinlich genug Arabisch, um diese womöglich selbst übersetzen zu können. Er korrespondierte mit dem niederländischen Gelehrten Charles de l’Écluse (Carolus Clusius), der wiederum Briefe Bellis in seinem 1601 in Antwerpen veröffentlichten Werk »RARIORVM PLANTARVM HISTORIA« abdruckte (siehe besonders den Brief vom 15. Februar 1596, cccvi). Unter den Korrespondenten Bellis befand sich ebenfalls Giovanni Pona, der bereits in dem vollständigen Titel seines 1608 erschienenen Werkes »PLANTÆ« Belli erwähnt und in dem zahlreiche Ausführungen und Skizzen Bellis in lateinischer Sprache abgedruckt wurden; jedoch wurden nirgends Wortformen erwähnt, die sich auf den arabischen Begriff zurückführen ließen. Dies ist erst wenig später in einem weiteren 1617 in italienischer Sprache verfassten Werk Ponas namens »MONTE BALDO DESCRITTO DA GIOVANNI PONA VERONESE« der Fall, in dem es heißt: „ABELMOSCH DE GLI EGITTII, ouero Abutilo d’Auicenna“. Die etymologische Herleitung von italienisch abelmosch ^(→ it) bereitet jedoch Schwierigkeiten, da das -o- eine andere Ausgangsform als مِسْك (DMG: misk)^(→ar) verlangt. So leiten einige Quellen es aus der bis dato im Arabischen nirgends belegten Form *ḥabb al-musk her. Zwar ist diese Form bei zwei weiteren Quellen — auf denen sich wohl die zuvor genannten stützen — aufgeführt, jedoch ohne Beleg ihrer ehemaligen Existenz. Einer anderen Quelle zufolge kann es sich sehr wohl um eine Entlehnung des arabischen Begriffs حَبّ أَلْمِسْك (DMG: ḥabb al-misk)^(→ar) handeln, den Pona an die von ihm verwendete Form für ‚Moschus‘ italienisch mosco ^(→ it) (ältere dialektale Formen waren unter anderem moscho ^(→ it), mosch ^(→ it) und mosc ^(→ it)) adaptiert habe, die selbst auf einem hellenisierten Latein basiert (vergleiche spätgriechisch μόσχος (moschos^☆) ^(→ grc) und lateinisch muscus ^(→ la)). Das Wort gelangte letztlich über das Fachlatein der Botaniker in die anderen iberoromanischen Sprachen. Eine andere Herleitung vertreten die deutschen Wörterbücher des Duden und des Wahrig, die dem italienischen Erstbeleg den arabischen Begriff أَبُو ألْمِسْك (DMG: abū ʾl-misk)^(→ar) ‚Vater des Moschus‘ zugrunde legen wollen. Die Beleglage im Arabischen sowie semantische und formale Erwägungen sprechen aber zugunsten der Annahme einer Ausgangsbasis aus vulgärarabisch حَبّ أَلْمِسْك (DMG: ḥabb al-misk)^(→ar). Das Wort ist im Deutschen seit Mitte des 18. Jahrhunderts wohl bezeugt.
Meanings
-
zu den Malvengewächsen (Malvaceae) gehörende tropische, strauchartige Pflanze, deren Samenkörner nach Moschus riechen und die deshalb häufig als Räucherwerk benutzt werden
„Der Duft von Abelmoschus ähnelt sehr dem animalischen Moschusgeruch. Der große Vorteil der Duftgewinnung von Abelmoschus ist, dass nicht der aussterbende Moschushirsch im Himalaja getötet werden muss.“
Dietrich Wabner, Christiane Beier (Hrsg.): Aromatherapie. Grundlagen · Wirkprinzipien · Praxis. 1. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München 2009, ISBN 978-3-437-56990-6, Seite 226. Zitiert nach Google Books.„Die Malvaceae-Gattung Abelmoschus, Abelmosch, Moschuseibisch oder Bisampappel geht in der Nomenklatur auf Friedrich Kasimir Medikus (1736-1808), seinerzeit Gartendirektor in Schwetzingen und Mannheim, zurück. Bei [Carl von] Linné gehörte der Abelmoschus noch zur Gattung Hibiscus.“
Rolf Giebelmann: Kulturgeschichtliches zu Malvengewächsen. In: Prof. Dr. Torsten Arndt [Schriftleitung]: Toxichem + Krimtech. Jahrgang 29, Band 73, Heft 2, 2006, ISSN 2190-3441, Seite 68. Abgerufen am 22. Juni 2011 (PDF). Zitiert nach https://www.gtfch.org/cms/index.php/tk-66-75-1999-2008. Im Original sind die Wörter »Abelmosch«, »Moschuseibisch«, »Bisampappel« ebenfalls kursiv sowie das Wort »Medikus« fett gesetzt.
Forms
| Spelling | Features | Labels | Source |
|---|---|---|---|
| Abelmoschus | Case=Acc, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Abelmoschus | Case=Gen, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Abelmoschus | Case=Dat, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Abelmoschus | Case=Nom, Gender=Masc, Number=Sing | lexicographic | |
| Abelmosch | Gender=Masc | archaic, variant | lexicographic |
| Abelmoschussen | Case=Dat, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic | |
| Abelmoschusse | Case=Gen, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic | |
| Abelmoschusse | Case=Acc, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic | |
| Abelmoschusse | Case=Nom, Gender=Masc, Number=Plur | lexicographic |
Hypernyms
Hyponyms
Maniok-Bisameibisch · Okra · Rosenpappel · Bisamstrauch
Synonyms
Bisampappel · Moschuseibisch · Bisameibisch
Translations (14)
mha حَبُّ ألْمِسْك (tropische Pflanze) · nl abelmos (tropische Pflanze) · sv okra (tropische Pflanze) · fr abelmosc (tropische Pflanze) · ru абельмош (tropische Pflanze) · he חֶלְמִית הַמוּשְׁק (tropische Pflanze) · en abelmosk (tropische Pflanze) · nl abelmosch (tropische Pflanze) · it abelmosco (tropische Pflanze) · fa حب المشك (tropische Pflanze) · es abelmosco (tropische Pflanze) · pt abelmosco (tropische Pflanze) · en abelmoschus (tropische Pflanze) · ca abelmosc (tropische Pflanze)